Schritt 14: Welches Aktiendepot online eröffnen? Was kostet Aktienhandel?

Wenn man als Börsenanfänger über das Internet Aktien kaufen möchte, stellt sich natürlich die Frage, wo man am besten ein Depot eröffnet. Hier hat man die Qual der Wahl, da viele Online-Broker um neue Kunden buhlen.

Mit welchen Gebühren muss man beim Aktienhandel rechnen?

Ich stelle gleich die wichtigsten Gebührenkosten von 7 bekannten und renommierten Onlinebrokern aus Deutschland vor.

Zuvor möchte ich aber noch aufzeigen, welche Aktienhandelsgebühren grundsätzlich auf einen zukommen können. Die möglichen Kosten lassen sich hierbei in 3 Bereiche unterteilen:

1. Depotführungsgebühren:

Unter „Depotführungsgebühren“ versteht man regelmäßige Kosten (meist monatlich) für die Führung des Depots, welche die Bank bzw. der Broker verlangt. Die Depotführungskosten fallen auch in dem Fall an, wenn man gar keine Aktien kauft bzw. verkauft.

Online-Aktiendepots sind jedoch meist kostenlos. Das heißt, dass man bei vielen Onlinebrokern gar keine Depotführungsgebühren bezahlen muss (anders sieht es häufig bei Hausbanken aus).

2. Gebühren für ausgeführte Käufe und Verkäufe:

Dabei handelt es sich um Gebühren, die nur anfallen, wenn man tatsächlich ins Börsengeschehen eingreift und Aktien (oder andere Wertpapiere) handelt. Das heißt, für jeden Kauf und jeden Verkauf muss man Gebühren an die Bank bzw. den Broker zahlen.

Die Depotanbieter haben unterschiedliche Gebührenmodelle, wonach sich die Preise pro Handelsauftrag berechnen (dazu gleich ein paar Beispiele). Zusätzlich können noch Börsenplatzgebühren hinzukommen, die aber meist eher niedrig sind.

3. Kosten für eventuelle Zusatzleistungen:

Der dritte Kostenpunkt gilt für den Bereich „Zusatzleistungen“. Manche verlangen nämlich für spezielle Leistungen Gebühren (Beispiel: Aufträge per Telefon durchgeben).

Von den gerade aufgeführten Kostenpunkten sind die ersten beiden am wichtigsten (Depotführungsgebühren und Handelskosten). Darauf gehe ich jetzt bei 7 Onlinebrokern näher ein.

Die Kosten von 7 Onlinebrokern im Überblick

Um sich als Einsteiger ein besseres Bild von den Kosten machen zu können, stelle ich jetzt die Depotführungs- und Handelsgebühren von 7 beliebten und renommierten deutschen Brokern vor (der Name ist jeweils mit der Webseite des Brokers verlinkt; dort kann man mehr Broker-Infos erfahren und ein eigenes Depot einrichten):

Online-Broker

Kosten für die Depotführung

Gebühr je Kauf/Verkauf

Mindestkosten je Kauf/Verkauf

comdirect*

0 € (+Bedingungen)

4,90 € + 0,25% der Kaufsumme

9,90 €

 Consorsbank*

0 €

4,95 € + 0,25%

9,95 €

 flatex*

0 €

5,90 €

5,90 €

 ING*

0 €

4,90 € + 0,25%

4,90 € + 0,25%

 LYNX*

0 €

0,14%

5,80 €

 OnVista Bank*

0 €

5,99 € + 0,23%

5,99 € + 0,23%

 s broker*

0 € (+Bedingungen)

4,99 € + 0,25%

8,99 €

Stand: Anfang 2019. Die Konditionen der Broker können sich jederzeit ändern, daher gilt: Alle Angaben ohne Gewähr. Bei den angegebenen Gebühren je Kauf/Verkauf handelt es sich um Preise für Bestandskunden (einige der Broker bieten Aktionen, wo Neukunden zeitlich beschränkt günstigere Konditionen erhalten).

Hinweise zu den Depotführungskosten:

Alle 7 gerade genannten Onlinebroker verlangen von ihren Kunden keine (!) Depotführungskosten. Es fallen also keinerlei Gebühren an, wenn man dort ein Depot hat und nichts handelt.

Dabei spielt es keine Rolle, wie viele bzw. ob sich überhaupt Aktien oder andere Wertpapiere im Depot befinden.

Bei 2 der 7 Broker ist die gebührenfreie Depotführung allerdings mit Bedingungen verknüpft:

  • comdirect*: Der Onlinebroker der Commerzbank gewährt in den ersten 3 Jahren bedingungslos eine kostenlose Depotführung. Danach ist die Verwaltung des Depots nur dann kostenfrei, wenn man pro Quartal mindestens 2 Käufe oder Verkäufe ausführt, ein Girokonto bei der comdirect hat oder regelmäßig in einen Sparplan (Definition) investiert. Zumindest eine dieser 3 Bedingungen muss erfüllt sein, ansonsten kostet das comdirect-Depot 1,95 Euro im Monat.
  • s broker*: Auch der Discountbroker der bekannten Sparkasse erhebt nur dann keine Depotführungskosten, wenn man in einem Quartal mindestens einen Handelsauftrag durchführt oder das Depot-Verrechnungskonto zum Quartalsende einen Betrag von über 10.000 Euro aufweist. Ist nicht wenigstens eine der beiden Bedingungen erfüllt, muss man einen Depotgrundpreis von 2,50 Euro pro Monat bezahlen.

Hinweise und Kostenbeispiele zu den Handelsgebühren:

Wie man in der dritten Spalte der Broker-Tabelle auf Seite 14 sehen kann, berechnen sich die Gebühren für einen abgeschlossenen Kauf oder Verkauf je nach Broker auf unterschiedliche Art und Weise:

Manche Broker haben einen Festpreis pro Auftrag (flatex*), bei anderen ergeben sich die Kosten aus einem Prozentsatz der Kaufsumme (LYNX*) und einige haben eine Kombination aus Festpreis und Gesamtkostenanteil (comdirect*, Consorsbank*, OnVista Bank*, ING* und s broker*).

Daneben gibt es aber auch noch Mindestkosten pro Kauf oder Verkauf, die man beachten muss (siehe ganz rechte Spalte der Tabelle). Das bedeutet, dass ein ausgeführter Handelsauftrag mindestens diesen Preis kostet, auch wenn die normale Gebührenberechnung (dritte Tabellenspalte) einen niedrigeren Betrag ergibt. 

Meine Meinung: Welcher Broker ist für Einsteiger besonders sinnvoll?

Meiner Meinung nach ist es als Aktieneinsteiger nicht unbedingt nötig, auf möglichst niedrige Handelsgebühren je Order zu achten (schließlich weiß man als Börsenneuling oft noch gar nicht genau, wie oft man in Zukunft handelt).

Hinsichtlich der Brokergebühren finde ich es in erster Linie wichtig, dass man dauerhaft keine Depotführungskosten bezahlt.

So oder so sollten für Anfänger bei der Depot-Suche aber neben den Kosten in gleichem Maße auch einige andere Punkte ausschlaggebend sein.

Sehr sinnvoll ist es für Börsenanfänger in meinen Augen, wenn der Broker einen möglichst einsteigerfreundlichen Handel ermöglicht und man einfach online Aktien-Aufträge übermitteln kann (ohne komplizierte Software, in die man sich erst einlernen muss und ohne zu viele Handelsmöglichkeiten, die meistens sowieso nur für Profis nützlich sind).

Ich selbst habe mit 2 der oben aufgelisteten Onlinebrokern persönliche Erfahrungen gemacht, wo ich ein Aktiendepot besitze: ING* und LYNX*. Beide Broker kann ich guten Gewissens weiterempfehlen. Beide haben günstige Handelsgebühren (insbesondere LYNX*), keine Depotführungskosten, keine Extrakosten bei wichtigen Zusatzleistungen, einsteigerfreundliche Handelsmöglichkeiten und einen kompetenten Kundenservice.

Jedoch halte ich das Depot der ING-DiBa für Einsteiger besser geeignet.

Der Hauptgrund: Ich finde, dass die Depotführung und die Online-Handelsplattform bei der ING-DiBa* für Anfänger übersichtlicher und leichter zu bedienen ist als bei LYNX* (hier finden sich Einsteiger noch schneller zurecht, denke ich).

Update: Inzwischen habe ich noch ein 3. Depot eröffnet… und zwar bei der comdirect*. Dieses Depot nutze ich in erster Linie für meine ETF-Wertpapiersparpläne (comdirect verlangt nämlich bei bestimmten ETF-Sparplänen keine Kaufgebühren, wodurch man Handelskosten sparen kann).

Letztendlich muss jeder für sich selbst entscheiden, wo er sein Depot eröffnet.

Jedenfalls ist es als Börseneinsteiger nicht unbedingt nötig, sich bei der Brokersuche den Kopf zu zerbrechen.

Denn man kann kostenlos den Broker wechseln, wenn man zu einem späteren Zeitpunkt doch nicht (mehr) zufrieden ist… aus welchem Grund auch immer. Der Bundesgerichtshof hat nämlich entschieden, dass keine Depotwechselkosten anfallen dürfen.

Achtung: In der Vollversion des Lernkurses kommt an dieser Stelle folgendes Kapitel: Wie sicher ist ein Aktiendepot?

Aktien-fuer-Einsteiger-Kurs-Schritte

Hinweis: Der obere Text ist Teil eines stark gekürzten Lernkurses (zum Reinschnuppern). Mein vollständiger Aktien-Einsteiger-Kurs (mehr Infos) bietet gegenüber der Mini-Version viele weitere Inhalte, Beispiele, Tipps & Grafiken.